Stoische Logik

Dieses logische Fundament wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten verfeinert und erweitert.
In Griechenland und dem Römischen Reich entstand eine neue einflussreiche Bewegung: die Stoa, die von Zenon von Krition (336-264 v. Chr.) begründet wurde.

Chrysipp (276-204 v.Chr.) war einer der bedeutendsten stoischen Philosophen. Er systematisierte die Lehre und gliederte sie in die drei Bereiche Logik, Physik und Ethik. Dem Logos kam große Bedeutung zu, was dazu führte, dass das Ideal der Stoiker der rationale Weise war, der nach dem Vernunftsprinzip, frei von Affekten lebt.

Sie gingen über die aristotelische Syllogistik hinaus und führten die Aussagenlogik hinzu. Dabei handelt es sich um eine Systematik zum sicheren Schließen. Es wurden verschiedene Arten unterschieden:

a) Der direkte Beweis: Modus ponendo ponens. Wenn B zwingend aus A folgt, und A wahr ist, so ist auch B wahr.
A => B
A

B

Ein Beispiel wäre: Wenn Herkules ein Mensch ist, dann ist er sterblich. Herkules ist ein Mensch. Also ist er sterblich.

b) Der indirekte Beweis – Modus tollendo tollens. Wenn B zwingend aus A folgt und B falsch ist, dann ist auch A falsch.
A => B
¬B

¬A

Das wäre analog zum ersten Fall: wenn Herkules ein Mensch ist, dann ist er sterblich. Er ist nicht sterblich. Also ist er kein Mensch.

c) Die ausschließende Disjunktion: Modus tollendo ponens. Wenn es entweder A oder B ist und es A ist, dann ist es nicht B.
A ˅ B
A

¬B

Ein Beispiel wäre: entweder schläft Sokrates oder er diskutiert. Sokrates schläft. Also diskutiert er nicht.

Die formale Logik wirkt auf so manchen abschreckend. Der griechische Stoiker Epiktet (50-138) erklärte in einem Dialog, warum es dennoch wichtig ist, sich Gedanken über derartige Dinge zu machen:

„Einst fragte einer von denen, die zugegen waren: Überzeuge mich von dem Nutzen der Logik. Hierauf versetzter er: Willst du, dass ich dir dies beweisen soll? – Ja – Also muss ich einen beweisenden Schluss anwenden? – Dies gestand jener. – Woher weißt du denn, dass ich keinen Trugschluss machen werde? – Als jener hierzu schwieg, so fuhr er also fort: Du siehst, wie du selbst gestehst, dass jene Wissenschaft notwendig ist, da du ohne dieselbe nicht einmal erkennen kannst, was notwendig oder nicht notwendig ist?”

Unterredungen, 2.25

Neben der formalen Logik setzten sich die Stoiker mit der Erkenntnistheorie auseinander.

Ausgangspunkt sind Sinneseindrücke. Sie prägen die Seele oder Psyche und produzieren Vorstellungen, im griechischen Phantasia genannt. Daneben gibt es auch nicht-sinnliche Eindrücke, z.B. bei Abstraktionen.
Unterschieden werden die Phantasien von den Phantasmen, die Wahnbilder des Geistes sind. Solche Phantasmen sind uns z.B. aus Träumen bekannt.

Demnach ist die Wahrheit der Eindruck von etwas Bestehendem. Frei von Täuschungen, die durch Gefühle oder vorgefassten Meinungen entstehen können.

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