Corona-Gespräche: Am Ende sieht man, wer recht hatte!

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Ob die Schweden mit ihrer Corona-Strategie richtig lagen, wird man erst im Nachhinein sagen können. So las ich zuletzt oft. Doch stimmt das?

Ich würde dem widersprechen. Wenn wir das Handeln der Verantwortlichen fair beurteilen wollen, müssen wir den Blick darauf richten, wie die Situation zum Zeitpunkt des Handelns ausgesehen hat. Also ob die verfügbaren Fakten wahrgenommen und sinnvollere Folgerungen daraus gezogen wurden. Denn der letztendliche Ausgang einer Handlung hängt von vielen zufälligen Faktoren ab, die man niemanden anrechnen kann – ob positiv oder negativ.

Wenn beispielsweise jemand in ein Kasino geht und Haus und Hof auf die 8 beim Roulette setzt und gewinnt, wird er von seiner Frau wahrscheinlich dennoch das Nudelholz abbekommen, da er unvernünftig gehandelt hat.

Ein Covid-nahes Beispiel finden wir im Jahr 2009 mit der Schweinegrippe. Dort scheint sich Christian Drosten geirrt zu haben und Wolfgang Wodarg lag nicht völlig verkehrt.[1] Drosten ging davon aus, dass die Schweinegrippe viele Opfer fordern könnte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es unbekannte Faktoren gab, die dies verhinderten. So wurden viele ältere Menschen aufgrund ihres Immungedächtnisses[2] durch den neuen Virus nicht stark beeinträchtigt.

Der Blick auf die tatsächliche Lage der Handelnden ist die fairste Möglichkeit der Bewertung. Allerdings hat sie das Problem, dass sie keine eindeutige Antwort liefert, wer recht hatte. Denn man kann nun nicht einfach zum Ende einen Blick auf die Zahlen werfen und einen Sieger verkünden, sondern auch lange Zeit danach verfängt man sich in den alten Debatten. Welchen Schluss man aus den vorliegenden Fakten zieht, hängt von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Verschiedene Charaktereigenschaften, wie Risikofreude, oder abweichende moralische Grundsätze, z.B. in Bezug auf die Opferbereitschaft, führen zu unterschiedlichen Bewertungen.

[1] Die Schweinegrippe war allerdings auch nicht völlig harmlos. Auf den Seiten des Centers for Infectious Disease Research and Policy der Uni Minnesota findet sich die Schätzung von 151.700 bis 575.400 Toten.

[2] Hier erklärt Drosten das Problem genau.

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